Reisen bildet: CityBike-Erfahrungen im Ausland
von Holger Post

CityBike Station in Oslo
Der Volksmund sagt: Reisen bildet. Stimmt, denn durch Reisen schaut man deutlich weiter über den eigenen Tellerrand, als durch die tagtägliche Informationsberieselung in Zeitung, TV oder Internet.
November 2010: Persönlich war ich vor kurzem in Norwegens Hauptstadt Oslo und konnte dabei neben den üblichen Sehenswürdigkeiten auch eine norwegische Besonderheit erfahren. Denn in den Städten Oslo, Bergen, Trondheim und Drammen gibt es eine sehr umwelt- und werbefreundliche Fortbewegungsmöglichkeit: das CityBike.
Anders als das in Deutschland von der Bahn angebotene Call a Bike funktioniert das CityBike in Norwegen nach meinem Gefühl transparenter und kostengünstiger:
In Trondheim ist es am einfachsten und funktioniert ähnlich wie das Einkaufswagenpfandsystem: Münze einlegen, Radblockierung löst sich, durch die Stadt radeln und bei Rückgabe an einer CityBike Station Münze zurück bekommen. In Oslo und den anderen beiden Städten kann man sich eine elektronische Karte für 10 bis 13 Euro holen und dafür ein ganzes Jahr mit den zahlreichen Rädern – allein in Oslo sind es etwa 1.200 Stück an über 100 Stationen – für drei Stunden ohne weitere Kosten fahren. Diese Zeitbegrenzung reicht völlig aus, da einerseits die Masse der Touren darunter liegen und falls man doch länger unterwegs sein möchte: Einfach an einer Station das Rad wechseln und schon stehen einem weitere drei Stunden zur Verfügung. Urlaubsgäste können sich in der Touristeninformation ebenfalls eine elektronische Karte besorgen – diese kostet dann allerdings pro Tag genauso viel, wie das Jahresticket, was aber immer noch eine überschaubare Miete ist.
Wie funktioniert nun dieses System? Die Kommunen bieten die Räder und entsprechende Infrastruktur an und Außenwerbung auf den Bikes und Stationen refinanziert die laufenden Kosten. Eine prima Idee, denn auf solchen Werbeträgern lassen sich hervorragend Botschaften wie Mobilität, Flexibilität, Schnelligkeit und natürlich Umweltverträglichkeit kommunizieren.
Wichtig für die Akzeptanz dieser Räder ist sicherlich der einfache Zugang. Weiterhin ist die Vermietung von Werbefläche ein guter Ansatz, um die Kosten des Systems überschaubar zu halten. Beide Punkte sollte die Bahn bei ihrem Call a Bike Angebot in Betracht ziehen, um hier vielleicht künftig das Angebot mit mehr verfügbaren Rädern, einfacher und kostengünstiger anzubieten. Aber vielleicht findet sich auch ein Wettbewerber, der CityBikes in Deutschland nach der skandinavischen Methode nutzbar macht.
Nachtrag 1:
Sogar in Thailands Hauptstadt Bangkok gibt es jetzt ein ähnliches CityBike System. Es mangelt zwar noch an Stationen und vor allem radfahrgeeigneten Wegen, aber der Anfang ist gemacht. Thailänder zahlen für eine Tagesausleihe nichts, Touristen müssen je nach Laune des Mitarbeiters an der Station zwischen null und drei Euro für einen Tag berappen. Finanziert wird auch hier das System durch Außenwerbung an den Rädern.
Nachtrag 2:
In London gibt es im Nahverkehr das Barclays Cycle Hire Programm und wie der Name verrät, wird es von einer großen britschen Bank gesponsert. Hier ist das Radausleihsystem auf den ersten Blick etwas unübersichtlich. Man hat zwei Gebühren: Eine Zugangsgebühr für etwa einen Euro pro Tag und eine Nutzungsgebühr von:
bis zu 30 Minuten = frei; bis zu 60 Minuten = 1 Pfund (ca. 1,10 €); bis zu 90 Minuten = 4 Pfund (ca. 4,40 €); bis zu 120 Minuten = 6 Pfund (ca. 6,60 €); …; bis zu 24 Stunden = 50 Pfund (ca. 55 €)!
Geeignet und vor allem erschwinglich ist das System also eher nur für Kurztrips. Bezahlen kann man als Tourist mit der Kreditkarte an der Station, was beim ersten Mal etwas verwirrend ist, da es nur nur einen Terminal gibt, der einem nicht wirklich alle Fragen im Kopf direkt beantworten kann. Weiterhin ist Radfahren in Londons Innenstadt gewöhnungsbedürftig, was im Wesentlichen durch den Linksverkehr bedingt ist. Aber manchmal verwirrt auch einfach nur die vor einem auftauchende Ampel für sehr hoch sitzende Verkehrsteilnehmer …


Generell kann ich nur bestätigen: Reisen bildet und hat mir in den geschilderten Beispielen gezeigt, wie andere Städte attraktive Ausleihsysteme für Fahrräder anbieten.




















Die CityBike Systeme sind eine geniale Idee. Leider nur, dass diese so vielen Ländern immer noch unbekannt sind
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