Ökostrom-Labels – Fluch oder Segen?
von Ava Dühring
Seit der Reaktorkatastrophe in Japan verzeichnen Ökostromanbieter in Deutschland einen starken Zuwachs. Besonders die vier unabhängigen Anbieter, die ausschließlich Strom aus erneuerbaren Ressourcen vertreiben, profitieren: Naturstrom, EWS Schönau, Greenpeace Energy und Lichtblick. Unter ihnen ist Naturstrom der größte Gewinner. Das Unternehmen konnte seit der Katastrophe 70.000 Neukunden begrüßen. Im Vorjahreszeitraum waren es nur etwa 8.500 abgeschlossene Verträge. Neben den unabhängigen Anbietern gibt es eine Vielzahl an weiteren Stromkonzernen mit grünen Tarifen. Zu ihnen gehört NaturWatt, ein Tochterunternehmen der EWE Energie AG. Auch sie konnten eignen Angaben zufolge in den vergangenen Monaten einen starken Zuwachs verzeichnen. Auf der Internetseite von NaturWatt, HalloNatur! und anderen Ökostromtarif-Anbietern fällt auf, dass sie ihre grüne Energie mit unterschiedlichen Labels bewerben. So sieht man beispielsweise das „Grüne Strom Label“, das „ok-Power Label“, verschiedene TÜV-Zertifikate und das Renewable Energy Certificate System, kurz RECS-Zertifikat. Statt für Klarheit sorgt diese Vielzahl auf den ersten Blick für Verwirrung. Was bedeuten die Zertifizierungen überhaupt? Leiste ich mit einem Anbieterwechsel einen Beitrag zum Umweltschutz oder gibt es auch hier Greenwasher?
Zu den einzelnen Labels:
„OK- Power“
Das „OK-Power Label“ wird von der Energie-Vision e.V. vergeben. Um es zu erhalten, müssen Anbieter nachweisen, dass sie ökologische Mindeststandards einhalten und ein zusätzlicher Umweltnutzen besteht. Das Label ist in drei verschiedenen Kategorien eingeteilt, die alle den Zusatznutzen sichern sollen. Es gibt das Händler-, Fonds- und Initiierungsmodell.
Mehr unter: www.energie-vision.de
„Grüner Strom Label“
Hinter Grüner Strom Label e.V. (GSL) verbergen sich diverse Natur-, Umwelt-, Friedens- und Verbraucherschutzorganisationen. Stromanbieter müssen beim GSL unter anderem nachweisen, dass sie einen Teil der Kundengelder in Ökoanlagen investieren. Darüber hinaus unterscheidet man bei diesem Label in zwei Kategorien: „Silber“ und „Gold“. Beim Ersten müssen mindestens 50 Prozent aus regenerativen Energiequellen stammen, beim Zweiten der gesamte Strom. Aktuell dürfen mehr als 90 Energieversorger ihre grüne Energie mit dem GSL bewerben.
Mehr unter: www.gruenerstromlabel.org
„TÜV“
Laut Experten sollten Verbraucher vorsichtig bei TÜV-Siegeln sein, da viele Anbieter sich mit ihnen schmücken. Problem bei diesen Siegeln ist, dass sie nicht einheitlich geregelt sind. Allein der TÜV Süd hat drei verschiedene Kriterienmodelle für Ökostrom. Der TÜV Nord hingegen bietet nur ein Ökostrom-Zertifikat an. Die Vielzahl der Modelle und die damit verbundenen nicht einheitlichen Anforderungen an die Stromerzeuger machen das Zertifikat nur bedingt empfehlenswert.
Mehr unter: www.tuev-sued.de
Mehr unter: www.tuev-nord.de
Renewable Energy Certificate System
Das Renewable Energy Certificate System (RECS) ist eine internationale Organisation und funktioniert wie eine große Tauschbörse. RECS-Zertifikate garantieren die Herkunft einer Strommenge aus Erneuerbaren, sind aber kein Gütesiegel. Das Zertifikat belegt lediglich, dass Strom aus regenerativen Energien erzeugt wurde. Beispielsweise kann der Betreiber eines Wasserkraftwerks in Norwegen RECS-Zertifikate an den Betreiber eines deutschen Kohlekraftwerks verkaufen. Dadurch kann Kohlestrom als Ökostrom verkauft werden. Im Gegenzug muss das norwegische Wasserkraftwerk dieselbe Strommenge als herkömmlichen Strom verkaufen. Schmutziger Strom wird also zu Ökostrom umetikettiert, so die Kritik.
Mehr unter: www.recs-deutschland.de
Zusammenfassend kann man sagen, dass das „OK-Power“-Label, das „Grüner Strom Label“ und die TÜV-Zertifikate unterschiedliche Kriterien aufweisen, die erfüllt werden müssen, bevor ein Anbieter mit ihnen werben darf. Sie vereint jedoch ein gemeinsames Ziel: Alle setzen sich für den Ausbau von umweltverträglichen Strom-Erzeugungsanlagen aus regenerativen Energiequellen ein und fördern diese aktiv. Darüber hinaus sind alle Zertifikate kostenpflichtig. Umweltbewusste Verbraucher, sollten bei einem Wechsel auf diese Labels achten oder zu einem der vier unabhängigen Ökostromanbieter gehen. Vorsicht sollte man bei den RECS-Zertifikaten walten lassen, denn hier kann der Verbraucher nicht 100-prozentig sicher sein klimafreundlich zu handeln.



















