Münster – Fahrradstadt die alles hat?
Wer einen Blick auf Münsters Straßen wirft, dem wird schnell klar: Hier regieren die Fahrradfahrer. Die kleine Stadt in Nordrhein-Westfalen hat deutschlandweit die größte Radverkehrsdichte – auf die rund 283.000 Einwohner kommen fast doppelt so viele Drahtesel. Kein Wunder, dass Münster sich schon über Jahre hinweg mit dem Titel „Fahrradfreundlichste Stadt Deutschland“ schmücken darf. Dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zufolge, nehmen fast 40 Prozent der Bürger täglich das Zweirad – damit hat der Drahtesel das Auto als beliebtestes Verkehrsmittel abgelöst.
Zumindest in Sachen CO2-Ausstoß scheint Münster vorbildlich zu handeln. Doch tut die kleine Stadt am Aasee noch mehr für Umwelt und Natur oder ruht es sich auf seinen Lorbeeren als „Fahrradmetropole“ aus? Das werde ich mir als Neu-Münsteranerin doch mal genauer ansehen.
Klar, dass auch ich als umweltbewusste Bürgerin die Leeze, wie die Münsteraner ihren Drahtesel liebevoll nennen, dem Auto vorziehe. Mein Weg führt mich als erstes über die sogenannte „Fahrradautobahn“ oder auch besser bekannt als „Münster Promenade“. Diese Strecke ist einzigartig als Verteilerring rund um die Altstadt, ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger reserviert. Hier heißt es: Vollgas geben – weit und breit keine Ampel, was will man als Leezen-Fahrer mehr?! Schon nach wenigen Metern stoße ich auf ein hübsch angelegtes Blumenbeet. „Münster bekennt Farbe“ steht dort aus einem Meer von rosa Blüten geschrieben. Nett sieht dies Blumenarrangement allemal aus, aber was heißt das nun genau? Ein Klick im World Wide Web bietet mir Klarheit. Die 2006 vom Amt für Grünflächen und Umweltschutz ins Leben gerufene Kampagne will mit kleinen Maßnahmen nachhaltig dafür sorgen, die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern. Viele verschiedene Aktionen wie beispielsweise die „Bürgerbäume“ oder „blühende Werbung“ leisten einen Beitrag zum Klimaschutz und alle Münsteraner können sich mit verschiedenen kleinen und großen Projekten engagieren. Farbe zeigen lautet die Devise. Mehr Infos gibt es auch unter www.muenster.de/stadt/farbe.
Bei meiner Suche im Internet stoße ich auf weitere klimafreundliche Fakten der Stadt in Nordrhein-Westfalen. Bereits zwei Mal durfte sich Münster mit dem Titel „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ und dem „European Energy Award“ schmücken. Kampagnen wie beispielsweise „Ich bin die Energie“ vermitteln den Bürgern aktiv, wie einfach es ist, Bewegung in seinen Alltag zu integrieren. Das lasse auch ich mir nicht zwei Mal sagen und schwinge mich wieder auf meine Leeze, anstatt vor dem PC zu sitzen.
Als Neu-Münsteranerin und notorische Orientierungschaotin verfahre ich mich natürlich an meinem ersten Tag. Die von der Fachhochschule Münster entwickelte Fahrrad-App „Navki“ zeigt mir bequem, wo es lang geht. So macht Radfahren Spaß! Wieder auf dem richtigen Weg, rase ich doch prompt in ein großes Schlagloch. Und so was in der fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands? Aber auch hier gibt es eine Lösung. Die elektronische Mängelkarte bietet verärgerten Bürgern die Möglichkeit, auf Gefahrenstellen und Schwachpunkte in der Innenstadt hinzuweisen. Hierfür reicht ein Klick (www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-muenster/radverkehr/plus-minus.html) im Internet und schon kümmern sich Mitarbeiter vom ADFC Münster um das Problem. Wie weit der Stand der Bearbeitung fortgeschritten ist, verdeutlicht eine Fahrradampel – steht diese auf Grün, so ist das Problem behoben. Abends auf dem Weg ins Kino werde ich von der Polizei angehalten. Da ich auf der falschen Straßenseite gefahren bin, muss ich 15 Euro zahlen. Sicherheitskontrollen wie diese sind auf Münsters Straßen keine Seltenheit. Im Gegenteil: Ob fahren ohne Beleuchtung oder Telefonieren auf dem Rad – die Polizei hat ständig ein Auge auf uns Radfahrer und tut viel für die Verkehrsicherheit. Angekommen im Kino werde ich dann auch noch durch einen Trailer über die Gefahren des Radfahrens hingewiesen. Nicht schlecht – in Zukunft werde ich wohl immer die richtige Straßenseite nehmen.
Alles in allem tut Münster wirklich viel dafür, sich für Klima und Umwelt zu engagieren. Durch die gut ausgebauten Radwege und zahlreichen Privilegien für uns Leezen-Fahrer, werden sicherlich viele Münsteraner weiterhin das Zweirad dem Auto vorziehen und so aktiv das Klima schützen. Obendrein leistet die Stadt mit weiteren Aktionen wie beispielsweise „Münster bekennt Farbe“ einen großen Beitrag für Umwelt und Natur. So komme ich doch immer wieder gern in die „Fahrradhauptstadt Deutschlands“.



















