Mit Comics das Klimabewusstsein schärfen – PASO im Interview

© PASO

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Die Welt bereisen und sie gleichzeitig ein bisschen besser machen – das haben sich Patrick Grossmann und Sonja Heydorn aus Hamburg vorgenommen. Im Rahmen des gemeinsam gegründeten Projektes PASO umrunden die beiden seit September 2011 die Welt. Unterwegs motivieren sie Einheimische und Touristen in den einzelnen Ländern durch Comics zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit der Umwelt. Angefangen in Chile und weiteren Ländern Mittel- und Südamerikas, weiter über Neuseeland und Australien, befinden sie sich momentan in Südostasien und werden ihre Tour voraussichtlich im September in Vietnam beenden.

Im Juli haben wir bereits einen Gastbeitrag von PASO zu dem Thema Think global – Eat local veröffentlicht. Lest jetzt das Interview mit PASO, um mehr über die zwei Hamburger und ihr Engagement in der großen weiten Welt zu erfahren.

GR: Könnt ihr euch kurz vorstellen?

PASO: Wir sind Patrick & Sonja aus Hamburg und wir lieben es, neue Länder, Kulturen und Leute kennenzulernen. Gemeinsam sind wir schon durch viele Länder Europas, Asiens und der Karibik gereist und jetzt war es an der Zeit, unseren Traum einer Weltreise zu verwirklichen.

GR: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Weltreise zu machen und dies auch noch im Namen der Umwelt?

PASO: Die Idee einer Weltreise schwebte uns schon länger im Hinterkopf herum, jedoch waren wir zuvor beruflich gebunden. Und auch das Geld musste erst einmal zusammengespart werden. Als uns bewusst wurde, dass diese Reise eine solche Bereicherung für uns sein würde, empfanden wir das Bedürfnis, der Welt etwas zurück geben zu wollen. Und was liegt da näher, als sich für den Umweltschutz einzusetzen?

GR: Wie lange hat die Vorbereitung gedauert?

PASO: Die Idee zu Reisen kam ca. ein Jahr bevor es letzten Endes losging (September 2010). Das Projekt PASO entstand kurz danach. Doch wir hätten wesentlich mehr Zeit gebrauchen können. Das Projekt gewann zunehmend an Bedeutung und nahm schlussendlich den Großteil unserer Vorbereitungszeit in Anspruch. Von der Namensfindung, Logoentwicklung, Homepagegestaltung, Künstler- und Sponsorensuche…alles lag in unseren Händen. Wir beide haben noch Vollzeit in unseren normalen Jobs gearbeitet. Patrick war zu der Zeit in China, was die Planung nicht gerade erleichterte. Umso stolzer sind wir auf das, was wir geschaffen haben! Und auch wenn die Reise bald zu Ende sein wird, sind wir davon überzeugt, dass PASO auch in der Zukunft weiter existieren wird. In unseren Köpfen wimmelt es nur so vor Ideen. Helfende Hände und kreative Köpfe sind also auch weiterhin herzlich willkommen!

GR: Was verbirgt sich hinter eurem Projekt?

PASO: PASO ist spanisch („el paso“) und bedeutet: Durchreise, Pass oder auch Schritt. Mittels Comic-Flyern wird in den verschiedensten Ländern entlang unserer Reiseroute auf kreative Art und Weise, mehr Bewusstsein für einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen geschaffen.

Jeder Flyer bildet drei Spar-Tipps und deren Nutzen ab. Hierbei handelt es sich um Ratschläge, die simpel und leicht umsetzbar sind. Künstler aus den jeweiligen Reiseländern entwerfen die Comics, basierend auf den, ihnen am wichtigsten erscheinenden, regionalen Missständen/Problemen.

Die Flyer werden vor Ort gedruckt und von uns und den Künstlern in Schulen, Bücherhallen, Universitäten, Cafés, Bars, Restaurants, Hostels etc. ausgelegt.

Auf unserer Homepage www.paso.cc stellen wir die Künstler und deren Flyer vor! Zudem findet man auf der Seite eine Ansammlung von weiteren Tipps, die das nachhaltige Leben leichter machen.

GR: Wie wird euer Projekt in den einzelnen Ländern angenommen?

PASO: Wir stoßen generell auf positives Feedback und großes Interesse, was das Thema und das Projekt angeht. Wirklich messen können wir die Reichweite und den „Erfolg“ der Flyer nicht. Aber wir denken, dass jeder noch so kleine Beitrag hilft, unsere wundervolle Welt zu erhalten.

GR: Wer gestaltet die Flyer?

PASO: Die Flyer werden von lokalen Künstlern gezeichnet, die wir zu meist über das Internet finden und kontaktieren. Wir können die Künstler nicht bezahlen, alle unterstützen uns somit aus Überzeugung und für den guten Zweck! Sie sind ein Hauptbestandteil von PASO und wir sind froh und dankbar, bisher Künstler in Deutschland, Chile, Bolivien, Kolumbien, Panama und Neuseeland im Boot zu haben!

GR: Versucht ihr beim Reisen auch auf die Umwelt zu achten?

PASO: Natürlich! Wir geben uns Mühe, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Angefangen bei Kleinigkeiten: beim Einkaufen verzichten wir auf die unnötigen Plastiktüten, wir gehen lokal essen und versuchen keine importierten Sachen zu kaufen usw… Neben unseren Flyeraktionen versuchen wir die Einheimischen auf Probleme aufmerksam zu machen und ihnen zu zeigen, was für Folgen ihr Verhalten haben kann und natürlich, wie sie es besser machen können!

GR: Und was ist mit dem hohen CO2-Ausstoß eurer Transportierung um die Welt, beispielsweise die Flugreisen?

PASO: Wir sind uns der Emissionen bewusst und können guten Gewissens behaupten, dass durch unser Projekt die Umweltbildung gefördert wird und wir dadurch indirekt Leute zum umweltbewussteren Handeln bringen. Wir versuchen zudem stets, so umweltfreundlich wie möglich zu reisen!

GR: Gab es Länder, in denen ihr vollständig auf taube Ohren gestoßen seid?

PASO: Hier in Asien haben wir besonders das Gefühl, dass den Einheimischen nicht bewusst ist, dass es ihr eigener Lebensraum ist, den sie mit ihrem Verhalten zerstören. Und wenn es welche gibt, denen es bewusst ist, verzweifeln sie an der Situation in der Minderheit zu sein, ohne Geld und dann noch unter korrupter Regierung und mit einer grausamen Infrastruktur ist es einfach extrem schwierig etwas zu verändern!

Und wir sind enttäuscht von dem Verhalten vieler westlicher Touristen, die anscheinend ihr gutes Benehmen und Wissen zu Hause vergessen haben (und das überall auf der Welt). Traurig zu sehen, wie Müll am Strand liegen gelassen, auf Korallen rumgetrampelt und der überteuerte Kaffee bei internationalen Ketten getrunken wird…

GR: Gab es ein besonders erfreuliches Erlebnis, über das ihr berichten könnt?

PASO: In Bolivien, einem Land welches in punkto Umweltbewusstsein noch in den Kinderschuhen steckt, haben wir einen wunderbaren Künstler gefunden, der sich in seiner Heimatstadt La Paz freiwillig bei der Feuerwehr engagiert, mit der wir zusammen den Flyer für Bolivien entworfen haben. Letzten Endes haben die Feuerwehrmänner- und Frauen unsere Botschaft an ihre Mitmenschen weitergegeben. Ein tolles Gefühl so unterstützt zu werden!

In Neuseeland kommt in diesen Tagen unser SPECIAL Flyer in 10.000-facher Auflage heraus, welcher sich primär an die Touristen richtet, die dieses einzigartig schöne Land bereisen. Dort werden wir von den Informationszentren „i-SITE“ landesweit bei der Verteilung der Flyer unterstützt.

GR: Wie lange seid ihr noch unterwegs?

PASO: Oh, der Countdown ist angebrochen! (Ein komisches Gefühl, übrigens!) Das Geld und auch unsere Energie neigen sich so langsam dem Ende. Wir werden wohl irgendwann im September wieder zu Hause eintrudeln.

GR: Was versteht ihr unter dem Begriff Nachhaltigkeit?

Paso: Nachhaltig zu leben, bedeutet für uns, zu erhalten und zu regenerieren, was uns Mutter Natur geschenkt hat. Mit dem heutigen Wissenstand und den Möglichkeiten, sind wir in der Lage umweltbewusst zu leben uns die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Wir sitzen schließlich alle im selben Boot – nicht einfach nur meckern und klagen, sondern nachdenken und handeln! Be the change you want to see in this world!

GR: Was wünscht ihr euch für den Planeten?

PASO: Dass er uns Menschen überlebt!