Interview mit Kai Wätjen – Meeresbiologe und Vorstandsmitglied bei „sustain seafood“

Logo des Vereins © sustain seafood

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Auf die Vorstellung des Vereins sustain seafood folgt ein Interview mit Vorstandsmitglied Kai Wätjen. Neben seiner beruflich bedingten Arbeit als Meeresbiologe engagiert er sich auch in seiner Freizeit für die Zusammenarbeit von Fischern und Wissenschaftlern. Als Vorstandsmitglied des Vereins sustain seafood hat er für Green Responsibility Fragen zu seiner Arbeit beantwortet.

Herr Wätjen, wie sind Sie zu sustain seafood gekommen?
„Ich bin Biologe am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und beschäftige mich mit der Krabbenfischerei. Das Ökosystem Nordsee zu schützen liegt mir sehr am Herzen. Um das zu verwirklichen, habe ich in dem Projekt GAP2 gearbeitet. Ziel des Projektes ist es Wissenschaftler und Fischer zur Zusammenarbeit zu bewegen und so Methoden für nachhaltiges Fischen zu entwickeln. Deshalb haben wir auch den Verein sustain seafood gegründet. Wir haben uns überlegt, wie man Krabbenfischerei nachhaltiger gestalten kann. Dabei ist es wichtig die Regionalität zu fördern. Bis zu 80 Prozent der in der Nordsee gefangenen Krabben, werden in Marokko gepult und dort mit einer Menge an Konservierungsmitteln behandelt. Erst nach dem Pulen gelangen die Krabben wieder in den Handel hier in Norddeutschland.“

Was bedeutet die Initiative für Sie persönlich?
„Das ist ein Hobby von mir. Wir sind ein eingetragener Verein und machen keine Gewinne. Es macht einfach Spaß mit den Fischern zusammen zu arbeiten. Die Forschung die wir betreiben und vermitteln ist gut fassbar. Wir wollen den Verbraucher aufklären und sind deshalb auf einigen Messen und Veranstaltungen vertreten. Fischer zeigen auf den Messen, wie man Krabben richtig pult. Die Aufklärung des Verbrauchers soll möglichst lebendig sein. Neben der wissenschaftlichen Arbeit, die ich sonst betreibe, machen mir das Engagement bei sustain seafood und der direkte Kontakt mit dem Verbraucher einfach Spaß.“

Auf welche Art und Weise setzen Sie sich bei sustain seafood für nachhaltiges Fischen ein?
„In dem Projekt GAP2 habe ich mit Krabbenfischern zusammengearbeitet, um eine Methode zur Identifizierung von seltenen Arten im Beifang zu entwickeln. Am Anfang meiner Arbeit war es schwierig Wissenschaftler und Fischer zu einer Kooperation zu bewegen. Die Wissenschaftler haben das Verhalten von Fischern bemängelt, die Fischer würden sich nicht an Fangquoten halten und zu viel fischen. Die Fischer haben die Wissenschaftler nur hinter ihren Schreibtischen gesehen, und hielten nichts von ihren Anschuldigungen. Mein Job war es, zwischen Fischern und Wissenschaftlern zu vermitteln. Dabei ging es vor allem darum die Fischer für das Projekt zu begeistern. Anfangs herrschte Misstrauen der Fischer gegenüber dem GAP2-Projekt. Als Sie dann bemerkt haben, dass sich sustain seafood auch für das Wohlergehen, den guten Ruf von Fischern, die Bewerbung der Nordseegarnelen und die faire regionale Vermarktung einsetzt, haben die Fischer den Kontakt gesucht und mit eigenen Vorschlägen zum Gelingen des Projektes beigetragen. So haben wir eine Plattform mit interessierten und engagierten Fischern aufgebaut, die bereit sind mitzumachen, wenn es um konkrete Forschungsziele geht.“

Inwiefern schützt das nachhaltige Fischen von sustain seafood das Ökosystem Nordsee?
„Die Garnelen werden mit einer sieben bis neun Meter breiten Baumkurre gefangen, die mit einem Rollengeschirr ausgestattet ist. Ein Kurrbaum aus Stahl dient dem Offenhalten des Netzes. An dessen Enden befindet sich jeweils eine Kufe, damit das Fanggerät besser über den Meeresboden gleiten kann. Rollen und Kufen berühren den Meeresboden, machen aber nicht so viel kaputt, wie beispielsweise Netze mit Scheuchketten, die häufig für den Fang von Plattfischen verwendet werden. Der Marine Stewardship Council (MSC) verwaltet das weltweit bekannteste Programm zur ökologischen Zertifizierung und Kennzeichnung nachhaltiger Fischerei. Für den Erhalt des MSC-Siegels ist der Einsatz von Siebnetzen verpflichtend. In diesen Siebnetzen werden noch unter Wasser Fische und Krabben aussortiert, die nicht zu den Zielarten gehören oder zu klein sind. Wenn für den Fang, durch die regionale Vermarktung, bessere Preise erzielt werden können, sinkt der Druck auf den Fischer und er bleibt auch mal im Hafen. So kann Bestand und Boden des Meeres auch geschützt werden.“

Wen wollen Sie mit der Initiative erreichen und worauf kommt es dabei an?
„Der Verbraucher soll erreicht und aufgeklärt werden. Die Wertschöpfungskette rund um die Küstenregion Nordsee soll erhalten bleiben. Es ist wichtig, dass der Verbraucher Krabben und Fisch aus der Region kauft, der nicht erst einen Umweg über beispielsweise Marokko gemacht hat. Der Verbraucher soll selbst entscheiden können, wo seine Krabbe herkommt und welchen Weg sie gegangen ist. So soll dem Verbraucher ermöglicht werden, den Weg seiner Lebensmittel zu hinterfragen. Wenn er bereit ist auch mehr Geld für Krabben zu bezahlen die, in der Region verarbeitet wurden, ist es möglich den ganzen Produktionsweg zu verändern.“

 

Vielen Dank Herr Wätjen, dass Sie sich Zeit genommen haben unsere Fragen persönlich zu beantworten. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen.